EigenerText: Langeweile, ist nicht überflüssig

Langeweile kann sehr unangenehm und sogar unerträglich sein. Der Zustand des nichts tun, der Leidenschaftslosigkeit, die Situation in der jedwede Handlung sinnlos oder unattraktiv erscheint, gleichzeitig dieser Zustand des nichts tun aber als genau so unangenehm empfunden wird. Langeweile halt. Langeweile bedeutet, dass wir von außen keine Reize erhalten, die für unsere Entwicklung oder unsere Bedürfnisbefriedigung relevant, bedeutsam oder hilfreich wären. Dieser Zustand ist zwar an und für sich neutral, wird aber deshalb negativ, da wir in diesem Zustand nicht unsere Bedürfnisse befriedigen können. Langeweile entsteht also nur in „langweiligen“ Situationen, die nicht unserer Bedürfnisbefriedigung dienen. „Langweilige Situationen“ in denen wir aber trotzdem unsere Bedürfnisse befriedigen, wie beispielsweise mit der Freundin in der Sonne liegen (Bindungsbedürfnis), empfinden wir deshalb nicht als unangenehm (siehe auch Beitrag – Verlorene Zeit). Langeweile wird also durch einen Mangel an attraktiven Zielen, die wir durch unser Verhalten ansteuern können, ausgelöst.

Wann empfinden wir Langeweilegeralt pixabay

Wir können Langeweile in sehr vielen Situationen empfinden, beispielsweise auch bei Tätigkeiten die uns sonst Spaß machen, oder wenn wir keine Aufgabe haben, uns das letzte gute Buch ausgegangen ist, wenn die Freunde alle keine Zeit haben oder wenn wir etwas tun müssen, worauf wir eigentlich keine Lust haben, wie z.B. das Warten auf den Zug. Langeweile ist also der Mangel attraktiver Ziele oder Verhaltensweisen zur aktiven Bedürfnisbefriedigung, momentan relevanter, Bedürfnisse.

Vermeidung von Langeweile

Da wir den Zustand der Langeweile als unangenehm empfinden, versuchen wir ihn meist zu vermeiden und machen dann lieber halbherzig irgendetwas, dass nicht unserer Leidenschaft entspricht, als nichts zu tun. Mit den vielen Medien und technischen Möglichkeiten heute ist das ja kein Problem. Das blöde daran ist nur, dass wir bei dieser Zerstreuung (zur Vermeidung der Langeweile), keine dauerhafte Lösung für diesen Zustand (Mangel attraktiver Ziele zur Bedürfnisbefriedigung) finden und die Langeweile somit nicht für uns nutzen können. Mit zu viel Ablenkung von dem Gefühl der Langeweile verhindern wir also, dass wir neue Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung erschließen oder herausfinden, welches Gefühl da in uns schlummert, das unsere Aufmerksamkeit möchte.

Langeweile ist der Ausgangspunkt für Aktivität

Der Zustand der Langeweile ist jedoch wichtig für unsere Entwicklung, denn erst in diesem Zustand fangen wir an uns mit unseren tieferen Wünschen, Leidenschaften, Emotionen und unserer realen aktuellen Lebenssituation zu beschäftigen. Wir fangen dann an unser Leben aus einer neutralen unemotional gelangweilten Position heraus zu betrachten, reflektieren also unsere Situation aus einer sehr ehrlichen Perspektive – was zusätzlich unangenehm sein kann, da wir Menschen oft versuchen uns als idealisiert zu betrachten und ein Selbstbild zu erschaffen, dem wir leider nicht entsprechen. Bei Langeweile werden wir mit uns selbst konfrontiert, so wie wir wirklich sind. Das gute an der Langeweile ist, dass dieser Zustand unangenehm ist und wir also versuchen ihn zu verändern und so zu Aktivität angetrieben werden, die gut für unsere Bedürfnisbefriedigung ist. Aktivität und das Entdecken von Neuem erweitert immer unsere Verhaltens- und Wissensmöglichkeiten und stellt somit einen wichtigen „Überlebensvorteil“ dar.

Wie wirkt langeweile positiv?

field-847647_1280Wir versuchen diesen unangenehmen Zustand zu verändern indem wir versuchen verschiedene – bisher unverknüpfte Aspekte unseres Lebens zu verknüpfen. Beispielsweise indem wir unsere Gefühle ergründen und daraus Wünsche oder Ziele ableiten, die durch unser bisheriges Verhalten nicht abgedeckt sind. Wann beschäftigen wir uns schon sonst so intensiv und gewissenhaft mit unseren Bedürfnissen und Wünschen? Die Langeweile ist also ein sehr wichtiger Zustand um unsere Emotionen, Wünsche und Ziele und Leidenschaften zu entdecken, sowie um diese mit unserer aktuellen Lebenssituation zu verknüpfen. Nur so finden wir immer neue Wege und Möglichkeiten unsere Bedürfnisse sinnvoll durch neue Verhaltensweisen besser zu befriedigen, was unsere Lebeszufriedenheit und unsere Persönlichkeitsentwicklung fördert.

So entwickeln wir uns weiter, ersinnen neue Möglichkeiten und werden dadurch quasie kreativ. Genau wie im Schlaf verknüpft unser Gehirn bei Langeweile neue Bereiche miteinander und erschließt dadurch neue Möglichkeiten für unser Denken und Verhalten. Genau diese neuen Verknüpfungen sind elementar für unsere Entwicklung.

Es gilt aber, dass wir weder über noch unterfordert werden wollen. Zuviel Neues und zu viele Reize können auch überfordern, genau so wie wenige Reize unterfordern können. Wie viel Input oder Aktivität jeder Mensch braucht ist, von Person zu Person sehr unterschiedlich.

Ich habe auch mal eine Zusammenfassung eines sehr interessanten Zeitungstextes zu diesem Thema gepostet, den ihr euch gerne anschauen könnt: https://proceedingalteration.wordpress.com/2012/11/04/zeitungsartikel-ganz-schoen-langweilig-15166072/

Zusammenfassung

Langeweile beschreibt den Zustand in dem wir auf nichts Lust haben, Leidenschaftslos sind und jede momentan mögliche Aktivität sinnlos und unattraktiv finden, gleichzeitig das Nichtstun aber auch als unangenehm empfinden. Langeweile empfinden wir als sehr unangenehm, da wir keine Impulse empfangen oder Verhaltensmöglichkeiten haben, die unserer Bedürfnisbefriedigung zu Gute kommen. Nichts tun bedeutet nicht automatisch, dass uns langweilig ist, so können wir auch mit der Freundin in der Sonne liegen und dies genießen ohne uns zu langweilen, einfach weil diese Art des „nichts tun“ gut für unsere Bedürfnisbefriedigung ist (Bindungsbedürfnis). Langeweile ist also der Mangel attraktiver Ziele oder Verhaltensweisen zur aktiven Bedürfnisbefriedigung. Heute gibt es so viele Möglichkeiten sich zu zerstreuen (Medien etc.) um keine Langeweile empfinden zu müssen, doch verhindern wir damit auch, dass wir neue Verhaltensweisen entwickeln. Gerade bei Langeweile reflektieren wir unsere Situation ersinnen neue Ziele und fragen nach unseren tiefsten Emotionen und Wünschen, was Ausgangslage für unsere Persönlichkeitsentwicklung ist. Da wir Langeweile als unangenehm empfinden motiviert sie uns auch zu Entdeckung von Neuem und zu Aktivität mit der wir unsere Bedürfnisse befriedigen können. So erweitern wir unser Verhaltensrepertoir, und entwickeln neue Verhaltens- und Denkweisen, da bei Langeweile ganz neue Aspekte miteinander verknüpft werden, was auch der Ausgangspunkt für Kreativität ist.

euer Johannes Supertramp

 

 

 

 

 

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